Am 21.8., unser erster ganzer Tag in Peking, haben wir ein wenig die Stadt und den weitlaeufigen und mit einem Museum, mit Maos Mausoleum und einer Halle des Volkes bebauten Tian'anmen-Platz besichtigt. Das naechstligende Ziel war die Verbotene Stadt, die am Eingang das uebergrosse Bild Maos praesentiert. Der verwinkelte Komplex der Verbotenen Stadt, dessen Tore, Hallen und Palaeste in regelmaessigen Abstaenden nach den daoistischen Harmonievorstellungen ausgerichtet sind, besuchen vorrangig chinesische Touristen. In den Hallen werden Palastgegenstaende der zwei Kaiserdynastien ausgestellt. Vergleicht man die ideologischen Bauten des Kommunismus mit denen der Ming-Dynastie (in deren Zeit der Komplex vor allem ausgebaut wurde), so nehmen sie sich gegenseitig nichts an Prunk. Die kommunistischen Bauten verlaengerten das Areal um ein Betraechtlichs und man kann sich fragen, wie gross es wuerde, kaeme eine neue Ideologie an die Macht.
Anschliessend konnten wir die Ausmasse der Verbotenen Stadt und Pekings insgesamt von einem auf einem angrenzenden Berg gelegenen Park mit fuenf symmetrisch angelegten Buddha-Pavillions ausmachen. Die letzten Gebaeude verschwanden im Dunst der Stadt, ueber der Papierdrachen schwebten.
Endlich habe ich Durian gegessen. Diese Frucht ist in Hotels verboten, weil sie einen sehr ueblen Geruch verbreitet. Sie schmeckt nach vergorener Mango, faulen Eiern, Banane etc.
22.8.: Busfahrt vom Dongzhimen-Busbahnhof nach Huairou und weiter mit dem Minibus zum Mauerstueck Huanghua. Das ist ein unerschlossener und wenig restaurierter Teil der Grossen Mauer. Wir konnten sie ueber eine Holzleiter betreten und entlang wandern: Weite gruene Taeler, maechtige Bergketten. Aufstieg zum "Kamelruecken", den Antje nicht mehr mitgemacht hat, weil die Mauer dort sehr steil ist und die Sonne zudem noch sehr stark war. Die Mauer schlaengelt sich als eine weisse Kette die Bergruecken und -kaemme entlang. Wir begingen die Mauer mit zwei Franzoesinnen, die auf ihr uebernachten wollten. Am Abend besorgten wir uns Karten fuer die Weiterfahrt. Im ganzen Bahnhof waren die PCs ausgefallen und alle hackten hinter ihrem Schalter auf der Leertaste herum. Dazu lief permanent ein und dieselbe schrille Durchsage und chinesische Schriftzeichen blinkten ueberall - psycho!!
23.8.: Frueh zum Bahnhof und mit dem Expresszug nach Beidaihe. Die Stadt liegt am Gelben Meer und ist das Mallorca der Russen. Wir badeten hauptsaechlich, assen eine Drachenfrucht und spaeter in einem der vielen Seafood-Lokale (What's this? Oh, it's like umbrellas - Quallen!). Am Abend begann unser "langer Marsch" durch den Bade- und Bonzenort. Auf der Suche nach einem abgelegenen und frei zugaenglichen Strand legten wir 7 Km entlang der Kueste zurueck, konnten Gottesanbeterinnen und viele andere Insekten, die uns in unseren Schlafsaecken besuchten, studieren.
Am Morgen des 24.8. erwachten wir am Meer, wurden langsam fit und fuhren mit dem Bus nach Shanhaiguan. Nun, alles, was im Reisefuehrer angegeben war, existiert offenbar nicht mehr... Dort wird einfach eine neue (massentouristenfreundliche) Stadt gebaut (wir vermuten wegen der Olympiade 2008 in Bejing). Unsere Tour zum Drachenkopf (Endabschnitt der Grossen Mauer, der ins Meer muendet) erwies sich als kleine Tortur, da uns unser Taxifahrer bei einem (ueberteuerten) Schnellboot absetzte und der Drachenkopf nur gegen einen hohen Eintritt zu haben war. Zurueck nach Peking ging es in einem hoffnungslos ueberfuellten Zug. Die Chinesen freuen sich ueber eine Gelegenheit ihre theoretischen Englischkenntnisse auszuprobieren. Wir fuehlen uns staendig beobachtet, was nicht zuletzt am Schoenheitsideal der Chinesen liegt: europaeisch auszusehen. Dafuer werden Haare gefaerbt und gelockt - im harmlosesten Fall. Am Bahnhof lief eine Werbung fuer Haut weissende Creme und die Augen werden operativ vergroessert. Selbstverstaendlich sprechen wir nur ueber die Frauen, die (wie immer - historisch gesehen -) ihren Koerper verleugnen, verkuensteln, verstuemmeln.
Heute Nacht fahren wir nach Datong zu den Haengenden Kloestern. Blog ist immer noch blockiert.
Freitag, 24. August 2007
Montag, 20. August 2007
Probleme
Wir wissen im Moment nicht, woran es liegt, aber wir koennen unseren eigenen Blog nicht oeffnen (nur posten) und wir koennen uns bei unseren Email-Accounts nicht einloggen. Damit koennen wir im Moment von euch keine Nachrichten erhalten. Hoffentlich liegt es nur an diesem Rechner oder an Peking.
Atis: Kannst du mal den Pruefungstermin (Magister-NDL-Klausur im September) fuer Myron checken (unten Aushang im Pruefungsamt)? Vielen Dank!!
Atis: Kannst du mal den Pruefungstermin (Magister-NDL-Klausur im September) fuer Myron checken (unten Aushang im Pruefungsamt)? Vielen Dank!!
Transit-Transsib
Touristen sind Nostalgiker. Sie sind auf der Suche nach etwas, das sie und auch andere in ihrem Alltag nicht haben: Wanderer wollen unberuehrte Natur, der Mallorca-Urlauber unbeschwertes Inselleben - und wir? Zweifelsohne ist die Transsib zwischen Moskau und Irkutsk nicht mehr attraktiv fuer die Einheimischen, die heutzutage wahrscheinlich einfach in den Flieger steigen, weshalb diejenigen, die den historischen Fortschritt einer Ost-West-Verbindung nachempfinden wollen, wohl auf diesem Abschnitt anzutreffen sind: Touristen.
Heute sind wir nach einer sechstaegigen Fahrt mit dem Transsib Nr. 4 in Peking angekommen. Wir kamen in einem Vierbettabteil unter, das wir uns ab Ulan Ude mit zwei russischen (genauer: burjatischen) Fahrgaesten teilten. Der Transsib wird zwar von Touristen dominiert, ist aber im Grunde die normale Strecke der so genannten Transmongolischen Route. Eine Beschreibung des Zuges wuerde, glaube ich, letztlich nur auf das Fazit hinauflaufen, ob es ein komfortabler Zug ist oder nicht. Man wird einige Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen, aber entschaedigt werden durch das, was den Transsib-Mythos in weiten Strecken (!) ausmacht...
Die Strecke: Moskau-Omsk-Novosibirsk-Krasnojarsk-Irkutsk-Baikalsee-Ulan Ude-Ulan Bator-Peking. Der russische Abschnitt bis Irkutsk laesst sich am besten mit dem Stichwort "Sibirien" umschreiben, es ist kuehler als alle anderen Transitgebiete und die Staedte sind durch industrielle Anlagen dominiert. Zunaechst fuehrt die Strecke geradlinig von Westen nach Osten; ab Taischet biegt der Zug nach Sueden ab. Den Baikalsee passierten wir am Morgen (18.8.) und so konnten wir die ersten Sonnenstrahlen auf der ruhigen Wasseroberflaeche tanzen sehen. Wir entdeckten in Transbaikalien die Republik Burjatien. Am selben Tag passierten wir die mongolische Grenze mit einer recht aufwaendigen Passprozedur. Man muss sich vorstellen, dass bei jedem Grenzuebergang die Toiletten fuer mehrere Stunden (in diesem Fall 7!) geschlossen werden... Ulan Bator erreichten wir frueh am Morgen und ab dann durchquerten wir die weitlaeufige Steppenlandschaft der "Wueste" Gobi. Jurtenzelte, selbstverstaendlich Kamele und manchmal am Horizont ein einsamer Bagger. Die Gobi ist wirklich sehr schoen, karg und von einer aesthaetischen Tristesse. Am Sonntag Abend gab es den Grenzuebergang nach China in Erlian, der einem Staatsempfang glich: Das Bahnhofspersonal im Spalier, dazu pathetische Orchestermusik aus dem Lautsprecher. Fuer den naechsten Tag bekam jeder Fahrgast als Begruessungsgeschenk einen Gutschein fuer Fruehstueck und Mittagessen (Assoziation: Sozialismus, Essensmarke...)
Peking unterscheidet sich von allem, was ich bisher an Grossstaedten kennengelernt habe (Santa: Es gibt hier einen DIA!). Die Innenstadt, soweit wir sie vom Weg vom Bahnhof zur Jugenherberge kennen lernen konnten, besteht aus praechtigen und monumentalen Hochhaeusern, die einen Spagat zwischen traditioneller und moderner Architektur unternehmen. Morgen werden wir versuchen, die Verbotene Stadt zu erkunden.
Heute sind wir nach einer sechstaegigen Fahrt mit dem Transsib Nr. 4 in Peking angekommen. Wir kamen in einem Vierbettabteil unter, das wir uns ab Ulan Ude mit zwei russischen (genauer: burjatischen) Fahrgaesten teilten. Der Transsib wird zwar von Touristen dominiert, ist aber im Grunde die normale Strecke der so genannten Transmongolischen Route. Eine Beschreibung des Zuges wuerde, glaube ich, letztlich nur auf das Fazit hinauflaufen, ob es ein komfortabler Zug ist oder nicht. Man wird einige Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen, aber entschaedigt werden durch das, was den Transsib-Mythos in weiten Strecken (!) ausmacht...
Die Strecke: Moskau-Omsk-Novosibirsk-Krasnojarsk-Irkutsk-Baikalsee-Ulan Ude-Ulan Bator-Peking. Der russische Abschnitt bis Irkutsk laesst sich am besten mit dem Stichwort "Sibirien" umschreiben, es ist kuehler als alle anderen Transitgebiete und die Staedte sind durch industrielle Anlagen dominiert. Zunaechst fuehrt die Strecke geradlinig von Westen nach Osten; ab Taischet biegt der Zug nach Sueden ab. Den Baikalsee passierten wir am Morgen (18.8.) und so konnten wir die ersten Sonnenstrahlen auf der ruhigen Wasseroberflaeche tanzen sehen. Wir entdeckten in Transbaikalien die Republik Burjatien. Am selben Tag passierten wir die mongolische Grenze mit einer recht aufwaendigen Passprozedur. Man muss sich vorstellen, dass bei jedem Grenzuebergang die Toiletten fuer mehrere Stunden (in diesem Fall 7!) geschlossen werden... Ulan Bator erreichten wir frueh am Morgen und ab dann durchquerten wir die weitlaeufige Steppenlandschaft der "Wueste" Gobi. Jurtenzelte, selbstverstaendlich Kamele und manchmal am Horizont ein einsamer Bagger. Die Gobi ist wirklich sehr schoen, karg und von einer aesthaetischen Tristesse. Am Sonntag Abend gab es den Grenzuebergang nach China in Erlian, der einem Staatsempfang glich: Das Bahnhofspersonal im Spalier, dazu pathetische Orchestermusik aus dem Lautsprecher. Fuer den naechsten Tag bekam jeder Fahrgast als Begruessungsgeschenk einen Gutschein fuer Fruehstueck und Mittagessen (Assoziation: Sozialismus, Essensmarke...)
Peking unterscheidet sich von allem, was ich bisher an Grossstaedten kennengelernt habe (Santa: Es gibt hier einen DIA!). Die Innenstadt, soweit wir sie vom Weg vom Bahnhof zur Jugenherberge kennen lernen konnten, besteht aus praechtigen und monumentalen Hochhaeusern, die einen Spagat zwischen traditioneller und moderner Architektur unternehmen. Morgen werden wir versuchen, die Verbotene Stadt zu erkunden.
Dienstag, 14. August 2007
Lenin heute
Moskau in Zahlen: 8 spurige Strassen durch die Innenstadt, 30 stoeckige Wohngebaeude, "noch 10 Minuten, dann lassen sie niemanden mehr ins Mausoleum" - nur 100 Rubel fuer den VIP-Zutritt.
Lenin aufgebahrt: Das Mausoleum gleicht dem Ho Chi Mings in Hanoi. Wir werden wahrscheinlich Mao in Peking bewundern koennen. Ein globaler Totenkult...
Das Innere des Kremls wird dominiert von Kirchen und in der Ivan-Kathetrale geht Reichtum und Glaube wieder einmal nahtlos zusammen: unermessliche Reichtuemer, diamantene Broschen, Ketten, Schwerter und Ringe von Cartier aus den 20er Jahren fuehren ein in die Aesthetik der Hochgesellschaft. Wir stillen unseren Hunger und unseren flauen Magen im Muh-Muhs. Unsere Reise mit dem Transsib beginnt heute um 21:35 Uhr. Das naechste Mal melden wir uns vermutlich in einer Woche.
Lenin aufgebahrt: Das Mausoleum gleicht dem Ho Chi Mings in Hanoi. Wir werden wahrscheinlich Mao in Peking bewundern koennen. Ein globaler Totenkult...
Das Innere des Kremls wird dominiert von Kirchen und in der Ivan-Kathetrale geht Reichtum und Glaube wieder einmal nahtlos zusammen: unermessliche Reichtuemer, diamantene Broschen, Ketten, Schwerter und Ringe von Cartier aus den 20er Jahren fuehren ein in die Aesthetik der Hochgesellschaft. Wir stillen unseren Hunger und unseren flauen Magen im Muh-Muhs. Unsere Reise mit dem Transsib beginnt heute um 21:35 Uhr. Das naechste Mal melden wir uns vermutlich in einer Woche.
Montag, 13. August 2007
Lilja 4 ever
Wie wird Moskau gelebt? Zwischen Kommunismus-Gedenkkultur, orthodoxer Kirche, Militaers mit zivilem Habitus und ausladender Architektur sieht man die Menschen nicht etwa in Cafes oder Tanzbars, sondern auf den Parkbaenken und in den Unterfuehrungen, wo sie sich spontan um eine spielende Band sammeln und feiern.
Moskau bietet seine kommunistische Geschichte in prachtvollen (marmorierten und ornamentierten) Metro-Bahnhoefen jedem dar, der sich nicht vom Trubel in den U-Bahnschaechten aus der Ruhe bringen laesst. Diese Vergangenheit ist allgemein gegenwaertig in den Prunkbauten, dem Lenin-Mausoleum, den gelangweilten Soldaten an jeder Strassenecke - aber Moskau laesst sich nicht darauf reduzieren.
Am Anfang unserer "savage voyage" nehmen wir Moskau vor allem europaeisch wahr. Moskau scheint ein groesseres Prag, dieses ist bekanntlich nur ein kleineres Wien usw... Der Kreml ist nicht der Kreml - das, was wir vor allem von ihm kennen (bei Google oder in den Illustrierten sehen): die Basilis-Kirche mit den eisfoermigen Tuermen - sie steht eher abseits des Hauptgebaeudes und des sich davor befindenden Lenin-Mausoleums. In der Basilika werden wir von orthodoxen Besuchern beaeugt, aehnlich, wie wir ihre Kunstwerke, die vergoldeten Bibeln, Kreuze, Tryptichons etc. beaeugen.
Moskau bietet seine kommunistische Geschichte in prachtvollen (marmorierten und ornamentierten) Metro-Bahnhoefen jedem dar, der sich nicht vom Trubel in den U-Bahnschaechten aus der Ruhe bringen laesst. Diese Vergangenheit ist allgemein gegenwaertig in den Prunkbauten, dem Lenin-Mausoleum, den gelangweilten Soldaten an jeder Strassenecke - aber Moskau laesst sich nicht darauf reduzieren.
Am Anfang unserer "savage voyage" nehmen wir Moskau vor allem europaeisch wahr. Moskau scheint ein groesseres Prag, dieses ist bekanntlich nur ein kleineres Wien usw... Der Kreml ist nicht der Kreml - das, was wir vor allem von ihm kennen (bei Google oder in den Illustrierten sehen): die Basilis-Kirche mit den eisfoermigen Tuermen - sie steht eher abseits des Hauptgebaeudes und des sich davor befindenden Lenin-Mausoleums. In der Basilika werden wir von orthodoxen Besuchern beaeugt, aehnlich, wie wir ihre Kunstwerke, die vergoldeten Bibeln, Kreuze, Tryptichons etc. beaeugen.
Samstag, 28. Juli 2007
Der Sinn der Sache
Reiseidyllen? Nerviger Blog? Missionarische Absichten? Nein, mit diesem Reisetagebuch möchten wir euch die Möglichkeit geben jenseits der üblichen Reisebeschreibungen Anteil zu haben an unserem sechswöchigen Trail nach Moskau, mit der Transsibirischen Eisenbahn Zug Nr. 4 (Novosibirsk, Baikalsee, Ulan Bator), nach Peking und evtl. Lhasa.
11.08.-18.09.
Die Reisestationen:
1. Freiburg - Moskau: Entfernung 2190 km, Aufenthalt 3 Tage
2. Moskau - Peking: Entfernung 7661 km, Dauer 6 Tage
3. Peking - ..., Dauer 28 Tage
11.08.-18.09.
Die Reisestationen:
1. Freiburg - Moskau: Entfernung 2190 km, Aufenthalt 3 Tage
2. Moskau - Peking: Entfernung 7661 km, Dauer 6 Tage
3. Peking - ..., Dauer 28 Tage
Abonnieren
Posts (Atom)